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14. September 2009 veröffentlicht von Administrator

9783952298190

Mauerstreifen – das ist nicht mehr die Berliner Mauer, aber immer noch die erkennbare Schneise in der ehemals geteilten Stadt. Der Roman spielt kurz nach der Wiedervereinigung, also nach einem Ereignis, das mit „Wiedervereinigung“ schlecht umschrieben ist (einer Bezeichnung, die auf juristische, auf finanz- und bündnispolitische Neuerungen hinweist) und besser „Annäherung“ genannt zu werden verdient. In der Handlung, die auch, aber nicht nur eine Kriminalgeschichte ist (in der sich der Kalte Krieg ein letztes Mal offenbart), begegnen sich Menschen voller Vorurteile, reiben sich aneinander, schleifen sich ab und bereiten sich so – mehr getrieben als planmäßig – auf ein Zusammenleben vor. Der „Held“ des Stückes, kein Held, ein Niemand, aber kein Dummkopf, empfindet die vier Tage der Annäherung als Alb und Lust, als Wechselbad der Gefühle – und als Chance zu einer Karriere, die ihm nicht zusteht, aber zufällt. Auch die Erotik kommt nicht zu kurz, weil der Anti-Held sich gelegentlich, wie ein Fisch im Wasser, von seinem Schwanz lenken lässt.

Jürgen Jesinghaus, der Autor des Nikolaus-Buches (das auch von jemandem handelt, der seine Position im Leben sucht), befasst sich hier erzählerisch mit einer Zeitspanne zwischen der Nachkriegszeit als Ära der Hegemonialmächte USA und UdSSR und einer im Dunkeln liegenden, für die es noch keine Schlagwörter gibt. Die Zwischenzeit wird empfunden als (wie es im Roman heißt) Auge des Orkans, akustischer Schatten, Meer der Stille, Insel der Seligen und Arsch der Welt. Der Autor weiß, worüber er spricht, denn er war zu jener Zeit in Berlin und hat sich auch später mehrere Jahre dort aufgehalten und die Stadt der Widersprüche (die „Stadt ohne Form“, wie ein Architekt sie nennt) lieben gelernt. Der Text ist eine Liebeserklärung an Berlin (aber der Leser wird es kaum bemerken).

Jürgen Jesinghaus
Der gebürtigen Wuppertaler hat etliche Jahre in Berlin zugebracht, ein Ossi-Wessi, und wohnt jetzt im rheinischen Bornheim. Sein Roman “Nikolaus, der Mann aus Myra” ist ebenfalls bei uns erschienen.

Mauerstreifen (oder Berlin im Herbst 1990)
von Jürgen Jesinghaus
gebundene Ausgabe
erschienen im September 2009
im Verlag
Universal Frame

296 Seiten
Roman
EUR 19.80 (D)
ISBN 9783952298190


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5. September 2007 veröffentlicht von Administrator

Rut Hense - ErinnerungDie „verlorene“ Generation, die zu Beginn des zweiten Weltkriegs ihr Leben in die eigene Hand nehmen wollte kommt hier zu Wort. Exemplarisch werden Zwänge und Entwicklungen, die ihr junges Leben fremdbestimmt beherrschten, beschrieben. Ihre Jugend hat sie dabei mit dem traumatischen Erlebnis des Krieges und der schlimmen Nachkriegszeit eingebüsst. Schicksalhaft wurden absolute Notwendigkeiten früh Bestandteile Ihres Handelns.

Inhalt:

1923, in Pforzheim geboren, berichtet Rut Hense von ihrer schönen Kindheit, auch im Südbadischen und in Kehl sowie bei Besuchen in Ostpreussen, wo sie bei den Grosseltern eine andere Welt kennenlernt. Die Zwangsversetzung ihres Vaters in das Saargebiet – aus politischen Gründen – bedeutet auch für sie in vielerlei Hinsicht eine Zäsur.
Als Führerin bei den Jungmädeln lernt sie schon früh die Auswirkungen des Unrechtssystem kennen und lehnt etwas später die ihr angebotene Parteikarriere ab.
Mit Beginn des Krieges wird ihr Erleben immer facettenreicher. Zuerst im Zusammenhang mit Ihrer Tätigkeit in Metz, als Angestellte einer deutschen Krankenkasse, dann als Junglehrerin an einer Volksschule in Lothringen und weiter, als Lehrerin und Betreuerin evakuierter deutscher und holländischer Kinder in Thüringen, in der Kinderlandverschickung.
Ihre Kontakte mit Juden, Angehörigen der SS, Inhaftierten des KZ Buchenwald, Goldfasanen und Angehörigen der Deutschen Wehrmacht geben vielfältige Einblicke in das damalige Geschehen. Auch die Eindrücke auf ihren Reisen nach Polen und in die Tschechoslowakei, noch kurz vor Kriegsende, schildert sie mit offenen Augen.
Ein beherrschendes Thema sind nicht zuletzt die Kriegsereignisse und die damit verbundenen, bedrückenden Erfahrun-gen.
Doch das Kriegsende brachte mit der Lagerhaft ihres Vaters und Zwangsausweisung aus dem Saargebiet, Unterbringung der Familie in einem Lager und schliesslich dem Leben als Vertriebene in Südbaden, die schwersten Prüfungen über die Autorin. Erst nach jahrenlangem, zähen Durchringen und Beendigung einer missratenen Ehe, bietet die Zeit des beginnenden Wirtschaftsunders ihr endlich die Möglichkeit eines normalen Lebens.

Neuerscheinung im September 2007:
Hense, Rut
1930 – 1955
Erinnerung
an eine Jugend in außergewöhnlicher Zeit

Verlag Universal Frame
Softcover
160 Seiten, 14.8 x 21 cm
ISBN 978-3-952298-6-9
Euro 12.40 (D)